Für und wider Biber“, die GRÜNEN hatten am Samstag an die Eterna bei Hachenhausen eingeladen, um über ein Vorhaben der grünen Stadtratsfraktion vor Ort zu informieren und sich fachlich auszutauschen. Dazu kamen die grüne Bundestagsabgeordnete Karo Otte sowie Ralf Sepan, der am 18.8. offiziell zum Biberbeauftragten im Landkreis Northeim berufen wurde, am Samstag nach Hachenhausen.
Gleichzeitig waren neben Anwohnern und weiteren Interessierten auch die Landwirtschaft, vor allem die Eigentümer und Pächter der Flächen im Biberlebensraum, der Angelsportverein und der NABU vertreten.
Es fand ein reger, konstruktiver Austausch statt: Für die Landwirtschaft sind u.a. die Uferabbrüche problematisch, die vor Ort besonders deutlich an der Uferseite ohne Gehölzbewuchs zu sehen waren. Hier wurde die ufersichernde Funktion eines standorttypischen Gehölzsaumes diskutiert, der ein Bestandteil des von den Grünen vorgeschlagenen Maßnahmenkonzeptes ist.
Des Weiteren führen die vor Ort sichtbaren Einbrüche der unterirdischen Biberbauten in den ufernahen Landwirtschaftsflächen aktuell zu einer Gefährdung von Menschen und Maschinen. Dem würde ebenfalls durch das vorgeschlagene Maßnahmenkonzept Rechnung getragen, da sich diese Einbrüche nur im unmittelbaren Ufer-Nahbereich bis in maximal 10 m Entfernung befinden (so Ralf Sepan) und ein Abrücken der landwirtschaftlichen Nutzung von dem Gewässer (z.B. durch den in der Maßnahme angedachten Verkauf/Pacht dieses Streifens) maßgeblich zur Sicherheit beitragen würde.
Schließlich wurde auch die landwirtschaftliche Förder- und Entschädigungskulisse von den Anwesenden kritisch beleuchtet, da eine Entschädigung für Schäden durch den Biber seitens des Landes Niedersachsen aktuell nicht angedacht ist, so Ralf Sepan. Anders sieht es mit Ankauf / Pacht von betroffenen Flächen im erweiterten Uferstreifen aus. Dafür stehen beim Landkreis ausreichend finanzielle Mittel aus Ersatzgeldzahlungen, u.a. verursacht durch die Tennet-Leitung, zur Verfügung, so Karo Otte, die als Mitglied im Finanzausschuss des Bundestages insbesondere mit der Finanzierung solcher Projekte vertraut ist.
Die Flächeneigentümer waren grundsätzlich interessiert. Im Einzelfall käme jedoch auch ein ortsnaher Flächentausch anstatt Ankauf oder Pacht in Betracht.
Zudem kam auch immer wieder die Frage auf: Was tun, wenn ein neuer Biberdamm entsteht und zu Überschwemmungen führt. Dazu Ralf Sepan: „Dann bitte bei der Unteren Naturschutzbehörde in Northeim anrufen. Man ist dort sehr an pragmatischen Lösungen interessiert.“
Auch die Gefahr der Schädigung kritischer Infrastruktur (z.B. Hochwasserrückhaltebecken Seboldshausen) und die Freilegung der vorhandenen Versorgungsleitungen (Gasleitung Avacon, Abwassertransportleitung) wurde intensiv diskutiert . Zu Letzterem, so Ratsfrau Trude Poser, hat der Bauhof sich bereits im Frühjahr geäußert, dass eine Gefahr durch die Verlegungstiefe der Leitungen und die mindestens monatlichen Kontrollen in den Abschnitten mit Bibervorkommen durch den Bauhof nicht gegeben sei (https://stadtwerke.bad-gandersheim.de/portal/seiten/was-machen-die-da–900000448-23910.html ; Teil 19: Ein Großnager auf Holzjagd).
Trude Poser hob die positiven Wirkungen des Bibers hervor: Der Großnager kann Landschaftsgestalter im Hochwasserschutz sein. Damit reiht sich das Vorhaben der GRÜNEN Ratsfraktion ein in die bereits 2023 beschlossene Konzeption „Starkregen 2030“ der Stadt Bad Gandersheim. Ziel ist hier u.a. das Zurückhalten des Oberflächenwassers vor Eintritt in die Ortslagen (https://www.bad-gandersheim.de/buergerservice-rat/virtuelles-rathaus/hochwasserschutz/hochwasserschutzkonzeption/).
Fazit: Alle Seiten werteten das Treffen als gelungenen Austausch zum Thema Biber, der sicher zu mehr Verständnis für die jeweils „andere Seite“ geführt hat. Vielleicht war es der Beginn einer besseren Kommunikation auf Basis eines fachlichen Austauschs zwischen allen Beteiligten.
Fotos:

Die GRÜNEN hatten ins Biberrevier eingeladen. Eine große kompetente Runde tauschte sich konstruktiv aus, von links u.a. Bundestagsabgeordnete Karo Otte und Biberbeauftragter Ralf Sepan.

Dipl.-Biologin Alexandra Lukas zeigte vor Ort einen Biberdamm und die durch die unterirdischen Biber-Baue verursachten Bodeneinbrüche

Die GRÜNEN und Biberbeauftragter Ralf Sepan freuten am Ende der Veranstaltung über den konstruktiven Austausch.